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Friedrich Hermine 1

Hier ruhet in Gott

Apotheker
Friedrich Eichstaedt

geb. 28. Febr. 1830 zu Hannover
gest. 4. März1910

Hermine Eichstaedt geb. Pratje
geb. 26. April 1839 zu Cadenberge
gest. 8. Febr. 1916 zu Stade

Friedrich Hermine 2

 

Friedrich August Theodor Heinrich Eichstaedt wurde am 28.2.1830 als einziger Sohn des aus Berlin stammenden Königlichen Hannover-schen Hof-schwertfegers und Hofbron-zearbeiters Carl Wilhelm Eichstaedt und seiner zweiten Frau Henriette Louise Eichstaedt, geb. Tovote in Hannover geboren und dort in der Marktkirche getauft.

Seine Mutter starb sechs Tage später, wahrscheinlich am Kindbettfieber, einer Infektionskrankheit, die nach einer Entbindung während des Wochenbettes auftreten kann. Bis ins 19. Jahrhundert war das Kindbettfieber eine der Hauptursachen für die hohe Wöchnerinnensterblichkeit.

 

Er hatte von Ostern 1844 bis Ostern 1848 seine Lehre bei dem Apotheker Dr. August Du Menil in Wunstorf absolviert.

Er Arbeitete dann vom 1.4. bis 1.10.1848 als Rezeptar bei Beckering in Peine und vom 1.10.1848 bei Dr Igenohl in Hogen-kirchen/Großherzogtum Oldenburg. Vom 3.4.1850 bis 1.4.1853 bei Apotheker E. R. Meyer in Osnabrück. Am 18.4.1852 wurde er als Student der Pharmazie an der Georgia Auguste (Georg-August-Universität) zu Göttingen immatrikuliert, wo er unter anderem Vorlesungen bei den Professoren Wöhler, Bartling, Wigges, Marx und Limpricht hörte.

Er wurde bei der Landsmannschaft Hildesia, einer Studentenverbindung, aktiv und stiftete mit 12 weiteren Corpsbrüdern am 10.6.1854 das aus ihr hervorgegangene Kösener Corps Hildeso-Guestphalia (Wappen rechts) (Der Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV) ist ein 1848 gegründeter Dachverband von Studentenverbindungen).

Friedrich 6

 

Am 21.5.1855 wurde Friedrich Eichstaedt vom Königlich Hannoverschen Ober-Medicinal-Collegium durch Krause, Hildebrand und Stromeyer geprüft und für fähig befunden, selbständig einer Apotheke vorzustehen, Lehrlinge zu unterrichten und gerichtsmedizinische Untersuchungen übernehmen zu dürfen. Die Befähigung zur Übernahme botanischer Bestimmungen erhielt er 10 Jahre später vom selben Gremium nach abgelegter Prüfung am 23.9.1865.

 

Friedrich 5

Nach Abschluss seines Studiums ging Friedrich Eichstaedt nach Drochtersen, um die dortige, 1790 gegründete Apotheke bis zum 1.10.1858 zu verwalten.

Dort lernte er die 9 Jahre jüngere Tochter des Asseler Pastors Johann Heinrich Pratje, Hermine, kennen, die er am 11.10.1859 in Hooksiel heiratete. Sein Schwiegervater war ein Großneffe des Stader Generalsuperintendenten der Herzog-tümer Bremen und Verden, Heimat- und Kirchenhistorikers Johann Hinrich Pratje (1710-1791).

In Hooksiel wurde er auch am 16.10. 1858 als Administrator der 1716 gegründeten Georgischen Apotheke vereidigt. Obwohl er einige Jahre darauf die Hooksieler Apotheke erworben hatte, ging er dennoch 1865 nach Stade, um die Verwaltung der Löwenapotheke für den Eigentümer Heinrich Crauel zu übernehmen. Durch Rheumatismus und langjährige Prozesse wegen Erb- und Konzessionsstreitigkeiten mit den Voreigentümern Versmann geschwächt, beantragte Crauem schon nach vier Jahren am 24.5.1864 bei der Landdrostei – Vorgängerin des Regierungspräsidiums – Stade, die Konzession auf den Apotheker Friedrich Eichstaedt zu übertragen.

Auch Eichstaedts Schwiegervater richtete eine Bittschrift gleichen Inhalts an König Georg V. von Hannover, den er bei dessen Besuch in Kehdingen kennengelernt hatte. Beide Bittschriften wurden abgelehnt, weil Eichstaedt als Ausländer galt, da er der Apotheke in Hooksiel / Großherzogtum Oldenburg vorstand. Diesen Einwand konnte Eichstaedt aber mit dem Hinweis ausräumen, dass er sein Wohnrecht in seiner Geburtsstadt Hannover beibehalten habe. So wurde ihm, nach erneutem Versuch Crauels, am 29.8.1865 die Verwaltung der Löwenapotheke für zwei Jahre gestattet.

Da sich Crauels Gesundheitszustand nicht besserte, verkaufte er am 1.3.1867 die Apotheke für einen Kaufpreis von 32.000 Talern Courant (96.000 Mark) an Friedrich Eichstaedt, dem am 28.1.1867 bereits die Konzession erteilt worden war. Der Jahresumsatz der Löwenapotheke im Jahr des Verkaufs betrug 14.301,52 Mark.

 

Crauel hatte übrigens die Offizin mit einer Einrichtung aus massivem Mahagoniholz, teilweise mit gedrechselten Säulen ausstatten lassen. Diese Einrichtung, vom Tischlermeister Christopher Kühlke in Hechthausen gefertigt, schmückt heute noch die Apotheke.

Im selben Jahr erhielt Friedrich Eichstaedt auch den Stader Bürgerbrief, ausgestellt von Bürgermeister Carl Ludwig Neubourg. Neubourg sollte später auch sein Parteifreund in der Nationalliberalen Partei werden, die in Stade unter Heinrich Holtermann eine Hochburg hatte.

Eichstaedt wurde am 30.3.1869 Bevollmächtigter für Apothekenangelegenheiten bei der Regierung in Stade. Er wirkte in dieser Funktion lange Jahre bei Visitationen, also bei Kontrollbesuchen von Apotheken, Drogerien und chemischen Fabriken neben dem Medizinalrat Dr. Hagedorn mit.

Er war seit dem 23.12.1859 Mitglied des Norddeutschen Apothekervereins und wurde am 11.4.1873 außerdem zum Kreisdirektor des Deutschen Apothekervereins für den Kreis Stade gewählt und mehrfach bestätigt. Dieses Ehrenamt hatte er über 25 Jahre bis 1899 inne.

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Bei seiner Verabschiedung wurden ihm zwei Prächtige silberne Leuchter mit Widmung geschenkt, die die Werkstatt der Königlichen Hofjuweliere J. Godet & Sohn in Berlin, Friedrichstraße 167, angefertigt worden waren und später von der Familie Eichstaedt der Kaufleute- und Schifferbrüderschaft gestiftet wurden (hier auf dem Älterleute-Tisch beim 432. Stiftungs-fest am 10.1.1987.

Als Bürgervorsteher (Bürgervertreter) für das Bäckerquartier – dieses Amt hatte er von 1877-1888 inne – nahm er im März 1881 an der Feier zu Eröffnung des Abschnittes Harburg-Stade der Unterelbischen Eisenbahn teil und regte aus hygienischen Gründen die Anlage einer Wasserleitung vom Hohenwedel in die Stadt an, was 1884 realisiert werden konnte.

 

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Am sozialen Leben der Stadt nahm er ebenso regen Anteil. So wurde er 1872 Bruder in der Kaufleute- und Schifferbrüderschaft, deren Ältermannkollegium (Vorstand) er später angehörte (hier ein Foto dieses Ältermannkolle-giums um 1900, Friedrich Eichstaedt vierter von rechts, Bild links)

1877 wurde er auch Bruder der St. Antonii-Brüderschaft.

Von 1872-1900 war Friedrich Eichstaedt überdies Meister vom Stuhl (Vorsitzender) der Freimaurer Johannisloge ‚Friederike zur Unsterblichkeit im Orient Stade‘ (Bild links), der er 1897 einen silbernen Meisterhammer stiftete.Ihm zu Ehren wurde anlässlich seines 25jährigen Jubiläums als Meister vom Stuhl eine ‚Friedrich-Eichstaedt-Stiftung‘ gegründet. Ihr Zweck war die Unterstützungvon in Not geratenen Logenbrüdern, sowie deren Witwen und Waisen. Ferner wurde er zum Ehrenmitglied zahlreicher Nachbarlogen ernannt, wovon heute noch zahlreiche Urkunden auf dem Stader Logenhaus zeugen.

(Die Anfänge der Geschichte sowie das Brauchtum, Ritual und die verwendeten Symbole der Freimaurerei gehen auf die Steinmetzbruderschaften und deren Bauhütten zurück. Eine Freimaurerloge (kurz Loge, von englisch lodge ‚Hütte‘. Althochdeutsche loubjà ‚Laube‘) ist eine Vereinigung der Freimaurerei. Die Räumlichkeiten diese Vereinigung werden oft gleich bezeichnet.)

Zum 1.1.1903 übergab Friedrich Eichstaedt die Löwenapotheke an seinen Sohm Adolf Eichstaedt und lebte als Rentner bis zu seinem Tode am 4.4.1910 in Stade.

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