Fritz Theodor Hermann Eichstaedt (Bild mit Frau Charlotte und Sohn Friedrich) wurde in Stade als ältestes von sechs Kindern von Adolf und Gertrud Eichstaedt geboren.
Er erwarb nach Besuch der Stader Mittelschule Ostern 1928 das Abitur in Quakenbrück und war vom 1.4.1929 bis 31.3.1930 Pharmaziepraktikant in der Ratsapotheke, Harburg, und in der Hirschapotheke, Hannover.
Bestehen der pharmazeu-tischen Vorprüfung im März 1930 war er für ein Jahr Assistentin der Ägidien-Apotheke in Hannover und ging 1931 als Pharmaziestudent nach Göttingen, wo er als Eichstaedt III beim Corps Hildeso-Guestphalia aktiv wurde.
Teile des Corpshaus-Inventars wurden nach der von den Nationalsozialisten erzwungenen Suspendierung – also der Einstellung des aktiven Betriebs – des Corps 1935 im Stader Apothekenhaus eingelagert und konnten so gerettet werden (Bild des Corps-Hauses um 1900, links). Das Staatsexamen bestand er am 15.5.1933 in Göttingen. Die Approbation – also die staatliche Zulassung zur Berufsausübung – wurde ihm am 5.8.1935 erteilt.
Am 1.4.1935 trat eine neue Prüfungsordnung für Apotheker in Kraft, welche nach dem Abitur eine zweijährige Praktikantenzeit, die mit dem Vorexamen endete, ein auf sechs Semester verlängertes Studium sowie eine einjährige Kandidatenzeit vorschrieb. Heute umfasst die Ausbildung ein achtsemestriges Studium, Praktika während des Studiums und ein praktisches Jahr.
Am 3.6.1934 heiratete Fritz Eichstaedt die gleichaltrige Charlotte Möbius, Tochter des Obermedizinalrates und späteren Ministerialrates in Berlin Dr. Erich Möbius und seiner ersten Frau, der Oberschwester Gertrud Möbius, geb. Schober.
Möbius war von 1923-1926 Regierungs- und Medizinalrat bei der Stader Bezirksregierung und hat in dieser Zeit durchmassive Intervention eine Schließung der damals durch Mundt verwalteten Löwenapotheke von Amts wegen verhindern können. Als Ministerialrat im Reichsministerium des Inneren von 1934-1937 war Möbius u.a. federführend als Sachbearbeiter mit den Arbeiten für das Apothekenverpachtungsgesetz und die Reichsapothekerordnung betraut.
1935 übernahm Fritz Eichstaedt die Verwaltung der Löwenapotheke, die er am 15.2.1936 in Erbauseinandersetzung von seinen Geschwistern kaufte. Der Jahresumsatz der Apotheke betrug 1937 RM 109.672, --.
Während des 2. Weltkrieges war Eichstaedt (Bild von 1942) von 1941 an als Luftschutzchemiker und später als Sprengmeister beim Sprengkommando III im Stader Raum eingesetzt. Dabei musste er Bomben unter Gefahr für sein eigenes Leben entschärfen.
Am 28.11.1947 wurde er als Ehrenbeamter mit dem Titel Pharmazierat an die später durch die Bezirksreform 1976 aufgelöste Bezirksregierung Stade berufen. Mehrere Jahre gehörte er dem Aufsichtsrat der Norddeutschen Apothekergenossenschaft NORDAG GmbH zu Lübeck an. Ferner war er Mitglied des Rotary-Clubs Stade den er 1955 mitbegründete. (Dabei handelt es sich um international verbreitete Service-Clubs, zu denen sich Angehörige verschiedener Berufe unabhängig von politischen und religiösen Richtungen zusammengeschlossen haben. Als seine Ziele nennt Rotary humanitäre Dienste, Einsatz für Frieden und Völkerverständigung sowie Dienstbereitschaft im täglichen Leben. Die Clubs werden auch als soziales und berufliches Netzwerk genutzt.) Zwischen 1933 und 1937 wurde er Bruder der Antonii. Der Kaufleute- und Schifferbrüderschaft, deren Ältermann (Vorstand) er später wurde, sowie der Rosenkranz- und der Pankratii-Brüderschaft.
1950 ließ er die Apotheke umbauen. Dabei wurde auch die Offizin um eine Warteniesche mit Aquarium vergrößert.
Anlässlich des 300. Jubiläums im Jahre 1955 verfasste er eine Festschrift. Nach genau 100-jähriger Inhaberschaft der Familie Eichstaedt verkaufte Fritz Eichstaedt am 27.12.1967 die Löwenapotheke an seinen ehemaligen Praktikanten und langjährigen Mitarbeiter, den Apotheker Kurt Tielmann.
Eichstaedts einziger Sohn Friedrich wollte die Apotheke nicht übernehmen. Nach dem Studium der Pharmazie blieb er jedoch dem Apothekenwesen in anderer Weise verbunden. Er war Geschäftsführer des Hamburger Apothekervereins und in Personalunion Geschäftsführer der Tarifgemeinschaft der Apothekenleiter im Bundesgebiet.
Fritz Eichstaedt starb am 20.1.1968 in Stade.
