Das in der Hökerstraße 37 befindliche Haus ist ein zweigeschossiges Traufenhaus – das heißt, das Regenwasser fließt zur Straße hin ab – mit ausgebautem Mittelgiebel aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, welches nach dem Stader Stadtbrand von 1659 mit repräsentativerer Geschosshöhe vor ein Giebelhaus – im Gegensatz zum Traufenhaus, fließt hier das Regenwasser zu den Seiten hin ab – aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts gebaut wurde.
Die Rückseite besteht aus einem dreigeschossigen Traufenfachwerk, an welches zwei Seitenhäuser Ende des 18. Jahrhunderts und Anfang des 19. Jahrhunderts angefügt wurden. 1950 ließ Fritz Eichstaedt nach dem Entwurf des Kasseler Architekten Feodor Peters unter der Bauleitung seines Bruders Ing. Adolf Eichstaedt das Erdgeschosses innen und außen umgestalten. Der mittige Haupteingang (Bild links) wurde an die Seite verlegt.
Der Fußboden im Inneren der Offizin wurde gleichzeitig tiefer gelegt. Dadurch fielen die drei Stufen zum Eingang weg. Offizin und Laboratorium wurden modernisiert.
Bis zum Umbau 1983 war das Haus in seinem Kern als herrschaftliches Kaufmannshaus über Jahrhunderte unverändert geblieben. So befanden sich noch oberhalb der zweigeschossigen Diele Dachluken über die nächsten zwei Etagen, die das Heraufziehen von Ware über drei Etagen mittels eines Giebelaufzugskreuzes ermöglichten. Dieses Giebelaufzugkreuz befindet sich heute im Europäischen Hansemuseum in Lübeck.
Das großzügige Treppenhaus mit Balustrade (Geländer) an drei Seiten und einer Holzwendeltreppe über drei Etagen wird durch ein aus zierlichen Traljen (Gitterstäben) bestehendes Geländer geprägt. Es diente neben der Warenbewirtschaftung als repräsentativer Empfangsraum. Heute befinden sich dort noch alte Apothekengeräte, wie ein eiserner Mörser aus dem 17. Jahrhundert, eine alte Eisenpresse und eine vorindustrielle Tablettenpresse. Dieses unter Denkmalschutz stehende Kaufmannstreppenhaus (Bild vor dem Umbau 1984 rechts) gilt als typisches Beispiel für eine Diele in einem mittelalterlichen Gildehaus, und weckt der Autorin Else Alpers zufolge Buddenbrooksche Reminiszenzen („Buddenbrooks: Verfall einer Familie“ (1901) von Thomas Mann. Er erzählt vom allmählichen Niedergang einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie und illustriert die gesellschaftliche Rolle und Selbstwahrnehmung des hanseatischen Großbürgertums zwischen 1835 und 1877. Thomas Mann erhielt 1929 für Buddenbrooks den Nobelpreis für Literatur.). Während das Haus bis 1978 noch als Wohnhaus des jeweiligen Apothekeninhabers genutzt wurde, dient es nach der Renovierung seit 1984 als Ärzte- und Apothekenhaus (Bild des Treppenhauses und der Diele nach dem Umbau 1984 links).
Das Standbild eines goldenen Löwen (Bild links) schmückt das Portal seit 1893; es entstammt einer rheinischen Bildschnitzerei und ersetzte damals ein aus Holz bestehendes, gemaltes Bild eines grünen, liegenden Löwen. Ein identisches Standbild befindet sich auch an dem ehemaligen Löwen-Kino in der Tübinger Kornhausstraße.
In der Offizin – also dem Verkaufsraum – befindet sich auch heute noch eine von einem Stader Handwerker 1867 angefertigte Einrichtung aus massivem Mahagoni-Holz mit alten Standgefäßen (Bild rechts).
